Hinter dem schwarzen Spiegel

 

 

Vorwort

 

Diese Story spielt in einem Alternativen Universum. Das heißt, es taucht zwar das Personal des SG-Centers auf, aber in einer völlig anderen Umgebung. Die bekannten Charaktere leben hier in einer vorindustriellen Sklavenhalter-Militärdiktatur, mit allen bösen Schurken und edlen Helden, die diese dunklen Zeiten so mit sich bringen.

 

Die Story nimmt nur grobe Anleihen an der irdischen Geschichte. Wenn man unbedingt Referenzen sucht, so wird man wohl eher in der Renaissance als im Mittelalter fündig. Es ist aber unnötig sich auf die Suche nach historischen Ungenauigkeiten oder Anachronismen zu machen – hinter diesem Spiegel ist es einfach so, da es irgendein Land in irgendeiner Zeit ist.

 

Ich bin mir völlig bewusst darüber, dass die von mir geschilderte Gesellschaft, in der Sklavenhaltung toleriert wird, dem ernsten und leider auch heute noch aktuellen Thema der Versklavung von Menschen nicht gerecht wird. Aber es ist Fiktion und erhebt keinerlei Anspruch darauf „politically correct“ zu sein.

 

Das alles vorausgeschickt, wundert es wohl nicht, dass sich die Story nicht an allen Stellen so ganz ernst nimmt. Sie bedient sich zum Teil willkürlich der Namen der Seriengestalten, um ihnen einen kleinen „Gastauftritt“ zu gewähren.

 

Es gilt der übliche Disclaimer für die Stargate-Charaktere – der ganze Rest ist frei dazu erfunden. Mein Dank gilt Athor, die das Ganze trotz der Länge beta gelesen hat und nicht nur reichlich Tippfehler rausgefischt hat, sondern auch etliche sehr gute Ideen eingebracht hat und Aisling, die sich ebenfalls noch einmal auf die Suche nach Fehlern begeben hat!

 

© Antares, März 2006

 

 

Inhalt: Colonel O’Neill hat einen neuen Sklaven, der ihm zuerst sehr viel Kummer bereitet

Rating: NC-17

Kategorie: AU

Pairing: Jack/Daniel

Anmerkungen: Siehe Vorwort!

Warnung für diesen Teil: Erzwungener Sex, Auspeitschungen,  und das ganze restliche Arsenal, wenn man eine Story mit Sklaven schreibt.

 

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Eine der Welten hinter dem Quantum-Spiegel. Eine der dunkleren.

 

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Die Welt war grau in grau und ein eiskalter Regen, der vom nahenden Winter kündete, suchte sich mal als Nieselregen, mal als peitschende Böe, den Weg unter die Kleidung. Colonel Jack O’Neill war wütend und äußerst schlecht gelaunt, während er Kilometer um Kilometer heim ritt. Aber er zog eine selbstquälerische Befriedigung aus der Tatsache, dass die äußeren Verhältnisse so wunderbar zu seiner inneren Verfassung passten. Unerfreulich, mies, ungerecht – und hatte er schon beschissen gedacht? – waren die Gedanken, die in seinem Kopf vorherrschten. Den Kragen des pelzverbrämten Ledermantels ganz nach oben geschlagen, konnte ihm das schlechte Wetter nicht so ganz viel anhaben, aber dennoch hatte er seine Dienerschaft, die ihn begleitete, wiederholt wegen Kleinigkeiten, die er sonst durchgehen ließ, angeherrscht und sich über das Sauwetter, die schäbige Verpflegung und die lahmen Mietgäule in sehr drastischen Worten geäußert. Er war schnippisch und kurz angebunden und nichts konnte man ihm Recht machen.

 

Aber wann waren auch schon mal so viele missliche Umstände zusammen gekommen?

 

Dabei hatte es gar nicht schlecht angefangen. Die Tochter von Lordprotektor Kinsey hatte vor einigen Tagen in einer aufwändigen, pompösen Zeremonie einen ausländischen Thronerben geheiratet und deshalb war alles, was Rang und Namen hatte, in die Hauptstadt gekommen. Colonel O’Neill selbst hatte die Gelegenheit, längst fällige Einkäufe zu tätigen, mit seinem Pflichtbesuch dort verbunden, denn ein Nichterscheinen war ausgeschlossen gewesen. Er war nur mit kleiner Eskorte gereist, begleitet von ein paar Soldaten, seinem Waffenmeister und seinem Lieblingssklaven Cameron, der ihm ein witziger Reisegefährte bei Tag und ein spielerischer Liebhaber in der Nacht war. Er passte mit seiner lockeren, forschen und leicht schnodderigen Art wunderbar zu ihm.

 

Doch eine Woche später dann, während der Hochzeitsfeierlichkeiten, hatte das ganze Unglück seinen Lauf genommen. Der Lordprotektor hatte ein Auge auf Cameron geworfen und obwohl Jack den Sklaven von da an im Hotel ließ, war er nach drei Tagen gezwungen worden, seinen Sklaven dem Lordprotektor zu überlassen. Für einen Moment war er verdammt versucht gewesen, sich zu weigern und dem Lordprotektor mit deutlichen Worten mitzuteilen, wo der sich seinen Befehl hin stecken konnte. Aber seinem Waffenmeister und Vertrauten, Walter, war es gelungen, ihm klar zu machen, dass das ganze Schicksal seines Protektorats, inklusive aller seiner Untertanen, an seiner Entscheidung hing. Der Lordprotektor war nicht gerade für seine Nachsichtigkeit gegenüber Abweichlern bekannt. Und so hatte er Cameron mit einer Stink-Wut im Bauch ziehen lassen müssen. Mit einem sehr maliziösen Grinsen hatte Kinsey ihm dafür noch am selben Abend einen seiner Sklaven überlassen – Daniel.

 

Ein schlechter Tausch. Sehr, sehr übel. Statt seines ewig gutgelaunten, mitteilsamen und herzlichen Cameron, hatte er nun diesen Mann in Diensten, dessen ganzes Äußeres schon so gar nicht sein Fall war. Groß, schulterlange, braune Haare, eine Lesehilfe – das alles schrie für Jack schon: ich bin ein ganz uninteressanter Bücherwurm. Und ihn verschlossen zu nennen, war sicher noch eine Untertreibung. Er hatte ihn bisher praktisch nichts außer: „Ja, Herr“ und  „Nein, Herr“ sprechen gehört.

Aber das Schlimmste für Jack war, er konnte sich noch nicht einmal über ihn beschweren!

Er war perfekt!

Als man ihn auf der Festlichkeit von dem Tausch unterrichtet hatte, war er neben ihm auf die Knie gesunken und hatte ihn den ganzen Abend nicht mehr angeschaut. Er hatte aber gleich am ersten Abend die Pferde hergeholt, ihm beim Auskleiden geholfen, ein Badewasser eingelassen und ihm ein angewärmtes Handtuch angereicht.

Am nächsten Morgen hatte er das Feuer geschürt, das Frühstück ans Bett gebracht und alle Vorbereitungen für die bevorstehende Heimreise mit großer Sorgfalt getroffen. Brauchte er Auskünfte, besorgte er sie sich bei den anderen Dienstboten. Seine Anweisungen führte er sofort, prompt und umsichtig aus. Aber er lächelte nie, scherzte nie und ließ praktisch nie eine Gefühlsregung erkennen.

 

So auch jetzt nicht. Es war der vorletzte Tag der Heimreise und sie nächtigten in einem leicht heruntergekommen Gasthaus, dessen Schäbigkeit Jack mehr als sonst störte. Und die Tatsache, dass er den Gasthof selbst vorgeschlagen hatte, besserte Jacks Laune auch nicht gerade. Das einzige Positive, nach dem sehr bescheidenen Abendessen, war das heiße Bad, in dem er sich gerade räkelte. Daniel stand geduldig neben der Badewanne und wartete auf seine Anweisungen. Ruhig und in sich gekehrt wie immer. Unbeeindruckt von seiner Umgebung. Was Jack aus einem unerfindlichen Grund wütend machte. Wenn er sich unwohl, ausgelaugt und beklagenswert fühlte, sollte sein Sklave nicht so gleichgültig herumstehen!

Er stieg aus der Badewanne und ließ sich von Daniel das angewärmte Handtuch reichen. Irgendwie musste man ihm doch eine Reaktion entlocken können! Ihn aus der Reserve bringen können! Jack kam ein Gedanke – so könnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

 

„Du weißt schon, dass dein Dienst als mein persönlicher Sklave auch umfasst, dass du mir im Bett zu Diensten bist?“, warf er dem Sklaven ohne Vorwarnung an den Kopf.

Für eine Sekunde war flammender Zorn in den ansonsten so ausdruckslosen, blauen Augen zu sehen, dann senkte Daniel den Blick und erwiderte ruhig: „Ja, Herr.“

„Dann begleite mich nach nebenan!“, befahl Colonel O’Neill barsch.

„Gestattet mir noch fünf Minuten im Bad“, bat der Sklave.

„Fünf Minuten.“

O’Neill ging schon mal ins Schlafzimmer und machte es sich im Bett bequem. Eigentlich war er fast zu müde, um noch Sex zu haben, aber auf die Schnelle war ihm kein anderes Mittel eingefallen, Daniel herauszufordern. Nun, viel gebracht hatte es ihm ja nicht. Ein böser Blick, und wieder ab ins Schneckenhaus. Jack seufzte.

 

Kurz vor Ablauf der Zeit erschien Daniel in der Tür zum Schlafzimmer. Nackt. Und zum ersten Mal sah Jack, dass er unter diesen ganzen Sachen, die ihm mindestens eine Nummer zu groß waren, einen sehr netten Körper hatte. Dem von Cameron gar nicht so unähnlich. Dieser Gedanke brachte wieder die frühere Wut und das Gefühl der Ungerechtigkeit in Jacks Bewusstsein zurück und erinnerte ihn daran, wie ungerecht Kinsey ihn behandelt hatte und wie sehr er die Gesellschaft seines Lieblingssklaven vermisste.

Wesentlich unfreundlicher als angemessen bellte er deshalb: „Na endlich!“

Daniel trat auf das Bett zu, blieb davor stehen und fragte tonlos: „Wie, Herr?“

Jack hätte ihn schütteln können! Verdammt noch mal, sollte das der ganze Enthusiasmus sein, mit dem er von nun an im Bett zu leben hätte?

„Auf die Knie!“

Äußerlich unbeeindruckt von dem harschen Tonfall kniete sich Daniel auf das Bett, spreizte die Beine und nahm den Kopf zwischen den Ellbogen auf die Matratze.

Das… das wäre Cameron im Traum nicht eingefallen! Das war unglaublich! Jack war fast etwas geschockt, dass Daniel wie eine Marionette, wie ein lebloses Wesen auf seine Befehle reagierte. Das konnte doch gar nicht sein! Niemand konnte sich doch, ohne jede Gefühlsregung, von jemandem so etwas befehlen lassen und dann so darauf reagieren! Irgendwo musste doch ein Mensch unter dem Sklaven stecken! Plötzlich war es Jack ungeheuer wichtig eine Reaktion zu bekommen. Irgend eine!

 

Er griff nach einem bereitstehenden Ölfläschchen und rieb seinen Schwanz ein paar Mal auf und ab – auch etwas, was Cameron sonst mit Freude übernommen hatte. Doch jetzt war nichts Spielerisches dabei, jetzt wollte er nur rasch hart werden. Sein Zorn brachte ihn schnell dahin und ohne Vorbereitung drang er in Daniel ein.

Nur um festzustellen, dass sein Sklave die fünf Minuten im Badezimmer gut genutzt hatte. Er war gedehnt und auf einem Ölfilm glitt Jack fast ohne Widerstand in ihn hinein. Jack fühlte sich betrogen und frustriert und wütend stieß er fester zu. Daniel ließ es einfach geschehen. Jack hörte nicht einen Ton von ihm, er bewegte sich nicht, sondern nahm nur Jacks Gewalt auf. Doch trotz dieser mangelnden Reaktion kam Jack aufgrund der Reibung, der Wut und seiner Enthaltsamkeit der letzten Tage rasch zum Ende.

Nachdem er sich wieder aus Daniel zurückgezogen hatte, sprang der Sklave sofort auf und holte ein warmes, feuchtes Tuch aus dem Badezimmer. Jack hatte in dem Moment gesehen, dass Daniel nicht das kleinste Anzeichen von Erregung zeigte. Das hinterließ einen mehr als faulen Nachgeschmack in seinem Mund, denn Cameron hatte er mit wenigen Berührungen meist zum Stöhnen bringen können und eher das gegenteilige Problem gehabt, dass es nicht zu schnell ging.

 

Jack hatte ihn die folgende Nacht nicht wieder in sein Bett geholt.

 

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Und nun ritt er im Schneeregen zu seiner Burg zurück, müde, durchnässt, frustriert und sexuell unbefriedigt. Er warf von Zeit zu Zeit einen Blick auf seinen stoischen Gefährten, dem das Wasser ebenso über das Gesicht lief wie ihm, der sich aber noch nicht ein einziges Mal die Mühe gemacht hatte, es wegzuwischen.

„Daniel?“

„Ja, Herr?“

„In zwei Stunden sind wir daheim.“

„Wünschen Sie, dass ich mit einer Eskorte vorausreite?“

Wow, der erste ganze Satz, den er heute früh geäußert hatte!, musste der Colonel sarkastisch denken. Laut aber sagte er: „Nein, zwei Herolde reichen.“

„Ja, Herr.“

Ja, Herr! Ja, Herr! Lordprotektor Kinsey hatte den Sklaven als gut erzogen geschildert, aber bald glaubte Jack, dass er ihn loswerden wollte, denn mit seinem servilen Gehabe ging er ihm langsam aber sicher auf den Geist!

 

Was er nicht wissen konnte, war, dass sein Sklave völlig geistesabwesend war und nur auf Automatik funktionierte. Innerlich jubelte Daniel bei jedem Meter, den sie ritten, jeden Tag, den sie vorankamen.

Endlich war er frei! Frei mit seinem Leben zu machen, was er wollte! Auch es beenden, wenn es nötig sein sollte. Seine Schwester Sha’re war mit der Tochter des Lordprotektors abgereist, in das Heimatland ihres zukünftigen Gatten, der eine fast vierwöchige Schiffsreise entfernt wohnte. Was machte es da schon, dass er mehrere Leibwachen der zukünftigen Königin mit seinem Körper bestochen hatte, um das zu ermöglichen? Das Einzige, das zählte, war das Resultat! Seine Schwester war außerhalb des Einflussbereichs von Kinsey! Nicht nur sie hatte keine Konsequenzen mehr zu befürchten, vor allem aber konnte man auch ihn nicht mehr belangen. Er war frei! Endlich!

 

Für einen Moment glaubte Jack so etwas wie ein Lächeln auf den Lippen seines Sklaven zu sehen, dann waren seine Züge wieder ausdruckslos.

 

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In der Burg angekommen, stellte Jack seinen neuen Sklaven seinem Haushalt vor. Daniel schaute sich interessiert um. Es waren eine Menge Namen zu merken, aber bei einer Person sollte ihm das kein Problem bereiten. Janet Fraiser, Colonel O’Neills Haushälterin, nahm sich seiner sofort an und organisierte trockene Kleider für ihn, als sie erfahren musste, dass er ohne persönliche Belange in den Dienst des Colonels gekommen war.

Die nächsten Tage lernte Daniel alle Mitglieder des Hauses und ihre Aufgabenbereiche näher kennen, denn Jack hatte angeordnet, dass ihm jeder einen kurzen Überblick über seine Tätigkeiten gab. Nach mehreren Tagen hatte er einen recht guten Überblick über die Verwaltungsstruktur der Burg erlangt. Auch kannte er sich inzwischen einigermaßen in dem verwinkelten Gemäuer, das auf einem kleinen Hügel thronte, aus und musste sich nicht immer durchfragen. Daniel schätzte, dass das Gebäude schon mindestens fünfhundert Jahre alt sein musste, die dicken Wände, die verzierten Fenster und die geschnitzten Balken ließen ihn das recht gut datieren. Innen war sie jedoch immer wieder modernisiert und mit Geschmack eingerichtet worden. Die Zimmer waren licht und gut beheizt, die Küche gemütlich und es gab Salons, die sich in alle Himmelsrichtungen öffneten und die Sonne hereinließen. An den Wänden hingen farbenfrohe Tapisserien, die halfen, die Zugluft abzuhalten. Der Garten, der sich an die Burg anschloss, lag zurzeit brach, aber die Rosenbögen und die mit Buchsbäumchen eingezäunten Rabatte deuteten an, dass es dort im Frühjahr und Sommer etliche Blumen geben würde.

 

Seinen Herrn sah Daniel tagsüber nur selten, nur wenn er ausdrücklich nach ihm schickte, oder am Abend, wenn Jack ihn an sein Bett fesselte.

Jack hatte lange überlegt, ob er Daniel in den Quartieren der Bediensteten unterbringen sollte, oder ob er ihm dem Platz geben sollte, den Cameron gehabt hatte. Und das war entweder in seinem Bett oder in dem Bett in dem kleinen Zimmer, das direkt von seinem Zimmer aus erreichbar war. Dann sagte er sich, dass es zurzeit keinen anderen Sklaven gab, den er als persönlichen Bediensten haben wollte und so entschied er sich, dem jungen Mann eine Chance zu geben.

Aber Jack war ganz froh, dass es erst einmal eine Menge Dinge zu erledigen und zu entscheiden galt und sie nicht ständig zusammen waren, denn an seinen neuen Sklaven musste er sich erst noch gewöhnen. Dabei hatte er noch nie einen perfekteren Sklaven gehabt!

„Bereite ein Bad!“ - „Ja, Herr.“

„Leg ein Holz nach!“ - „Ja, Herr.“

„Hol das Abendessen.“ - „Ja, Herr.“

So ging es den lieben langen Tag! So vorausschauend gehorsam, dass es Jack ganz kribbelig machte!

 

Und so kniete Daniel auch an diesem Abend neben Jacks Stuhl, nachdem er ihm aufgelegt hatte.

„Nimm dir auch ein Brot!“

„Ja, Herr.“

„Und setz dich verdammt noch mal auf den Stuhl da drüben!“

„Danke, Herr.“

Jack bekam langsam aber sicher Kopfschmerzen. „Daniel?“

„Ja, Herr?“

„Denkst du, du könntest auch mal in Sätzen sprechen, die mehr als zwei Worte haben?“

„Ja, Herr“, erwiderte sein Sklave zwar, aber für einen Moment sah Jack Amüsement in den Augen funkeln. Na bitte, es ging doch!

„Also schön! Auf geht’s!“

„Schlagt ein Thema vor, Herr!“

„Vielleicht das letzte Buch, das du gelesen hast?“, spottete Jack schon wieder in der Defensive, da Daniel auch die kleinste Entscheidung auf ihn abwälzte.

Die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit von Perten“, entgegnete Daniel prompt. „Eine sehr interessante, wenn auch gewagte Abhandlung, postuliert sie doch das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Individuums. Sagt Euch mehr die Position Pertens, oder die seiner Kritiker zu, Herr?“ Jetzt war das Amüsement in Daniels Stimme nicht mehr zu überhören.

„Über solche Themen hast du mit Kinsey diskutiert?“, fragte Jack höchst erstaunt.

Sofort senkten sich die Augen seines Gegenübers wieder und Daniel erwiderte neutral: „Nein, Herr.“

„Daniel, mit wem hattest du Gelegenheit, über Literatur und Politik zu diskutieren?“

„Viele Sklaven lesen Bücher“, war Daniels ausweichende Antwort.

„Cameron hat meist nur Bücher über Kampfsportarten gelesen und dann und wann einen Abenteuerroman“, zuckte Jack mit den Schultern.

„Dann bin ich ein schlechter Tausch für Euch, Herr.“

Für einen Moment fragte sich Jack, ob er jetzt gerade ganz subtil beleidigt worden war, dann verdrängte er den Gedanken und fragte stattdessen: „Wie lange bist du Sklave beim Lordprotektor gewesen?“

„Acht Jahre.“

„Und davor?“

„Ich kann mich nicht mehr erinnern.“

Jack stoppte den Bissen noch auf dem Weg zum Mund. „Häh?“ Scharf schaute Jack den anderen Mann an, doch der hatte seine Augen auf das Brot gerichtet, das er gerade aß und sein Gesicht gab nichts preis. „Ich bin dreiundvierzig, Daniel und ich weiß genau, was ich mit fünfunddreißig gemacht habe!“, stellte Jack herausfordernd fest.

„Amnesie.“

„Lügen!!“, zischte Jack aufgebracht, als ihm der Sklave so geschickt auswich.

„Soll ich Euch noch Wein nachgießen, Herr?“

„Du bist impertinent!“

„Verzeiht mir, Herr“, meinte Daniel ruhig und glitt neben Jacks Stuhl auf den Boden.

 

Dieser Mann konnte ihn zur Weißglut treiben! Jack spürte sein Blut aufwallen und rief aufgebracht: „Ich hatte dir nicht erlaubt, deinen Platz zu verlassen!“

Daniel schaute von unten hoch. „Verzeiht mir erneut. Was wünscht Ihr, das ich jetzt tue?“

„Was denkst du, was in diesem Haushalt auf Ungehorsamkeit steht?“, fragte Jack sarkastisch an. Wollte der Sklave spitzfindig sein? Nun gut, das konnte er auch.

Doch statt zu antworten erhob sich Daniel, ging zu Jacks Schrank, kam zurück und kniete erneut neben Jacks Stuhl nieder. Er hielt Jack einen Ledergürtel hin.

Einen Moment sagte Jack gar nichts, dann fragte er: „Wie viele Schläge hättest du bei Kinsey für so einen Fehler bekommen?“

„Fünf bis zehn“, antwortete Daniel ohne Zögern.

„Okay“, meinte Jack und überlegte noch, was er aus dieser Information machen sollte, als sich Daniel bereits erhob, die Hose auf die Knie rutschen ließ, das Hemd hochzog und sich gegen den Tisch abstützte.

 

Wahnsinn, wie lange hatte Kinsey wohl gebraucht, ihn so *abzurichten*? Er erhob sich von seinem Stuhl, trat hinter Daniel und sagte immer noch leicht ungläubig: „Daniel, ich kann dich doch nicht für Unkenntnis strafen. Eine gewisse Einarbeitungszeit werde ich dir wohl geben müssen, du kannst schließlich nicht meine Gedanken lesen.“

 

Und  dann sah er die Narben. Zickzacklinien, die über Daniels Rücken und Gesäß liefen. Mein Gott! Spuren wie vieler Auspeitschungen sah er hier wohl vor sich? Seine Hände fuhren die schlimmsten Narben nach. Er schob das Hemd noch etwas höher und er sah, dass sie auch die Schultern hinauf liefen. Er ließ das Hemd wieder sinken und sagte: „Dreh dich um.“

Daniel tat es und stand mit geschlossenen Augen vor ihm, als er jetzt das Hemd aufknöpfte. Auch hier etliche Striemen, aber deutlich weniger als auf dem Rücken.

Jack trat einen Schritt zurück und meinte: „Zieh dich wieder an.“

„Ja, Herr.“

„Warum habe ich das neulich abends nicht gesehen?“, erkundigte sich Jack.

„Von vorn sieht man nicht viel, außerdem brannte nur eine Kerze und später dann… wart ihr zu … beschäftigt, Herr“, entgegnete Daniel ruhig, aber Jack glaubte eine Andeutung von Spott zu hören. Irgendwo ruhte also doch noch ein Funken in dem Mann, er war nicht ganz gebrochen!

„Wofür bist du gestraft worden?“

„Ungeschicklichkeit, Arroganz, Widerworte, mangelnde Kooperation…“, gefühllos ratterte Daniel die Litanei herunter.

„Davon habe ich noch nichts an dir feststellen können“, überlegte Jack laut.

Daniel antwortete absolut sarkastisch: „Meine Erziehung war eben sehr erfolgreich.“

Jack fing an zu grinsen: „Du hast dich soeben selbst widerlegt.“

Für eine Sekunde trat ein erschrockener Blick in Daniels Augen, dann wurde er wieder unnahbar und sank zu Boden. „Bitte entschuldigt.“

Jack seufzte. „Daniel, lass uns zu Bett gehen. Es war heute ein langer Tag.“

„Gestattet mir noch das Bad aufzusuchen, Herr.“

„Selbstverständlich. Aber du brauchst keine Vorbereitungen treffen. Ich hatte kein gemeinsames Bett gemeint. Du deins, ich meins.“ Nein, so bald würde er nicht wieder Sex mit Daniel haben, es entsprach nicht ganz Jacks Geschmack, wenn sich ihm jemand wie ein lebloses Ding anbot. Er brauchte Erwiderung und zumindest etwas Spaß bei der Sache!

„Ja, Herr.“ Genau! Genau so etwas brauchte er nicht!

 

Als Daniel aus dem Badezimmer wiederkam, fesselte Jack ihn wie jede Nacht mit einem Handgelenk an den Bettpfosten. Aber eine Sache musste er noch wissen: „Ganz ehrlich, hast du trotzdem Vorbereitungen getroffen? Du weiß schon, was ich meine“, er wedelte mit seiner Hand in Richtung auf Daniels Schoß.

„Ja, Herr.“

„Schlechte Erfahrungen?“

„Ja, Herr.“

„Daniel, wenn ich ein Versprechen abgebe, bemühe ich mich, es nach Möglichkeit zu halten.“ Ganz genau wusste er nicht, warum er sich die Mühe machte, das einem Sklaven zu erklären.

„Danke, Herr.“

Jack ging zu Bett und grübelte noch lange über den seltsamsten Sklaven, den er je besessen hatte, nach. Was ging wirklich vor, hinter diesen wachen, blauen Augen, die viel zu oft auf den Boden gerichtet waren?

Daniel tat auf seiner Liegestatt dasselbe. Colonel O’Neills Reaktionen an diesem Abend hatten ihm viel Material zum Nachdenken gegeben. Er hatte die ganz vorsichtige Hoffnung, dass der Colonel einen anderen Charakter als Lordprotektor Kinsey hatte.

 

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Am nächsten Tag forderte der Colonel Daniel auf, ihn zu begleiten. Sie stiegen auf den höchsten Turm, den die Burg zu bieten hatte und hatten von dort einen guten Rundblick auf das umliegende Land. Der Blick ging über die leicht verschneite, hügelige Landschaft bis zu den hohen Bergen im Süden und verlor sich in den flachen Ebenen der nördlichen Landesteile. Man konnte eine Ortschaft in der Nähe der Burg ausmachen, direkt daneben eine kleine Garnison, dahinter erstreckten sich nur endlos scheinende, verschneite Felder und dichte Wälder, ab und an blieb der Blick an einem einsamen Gehöft hängen.

„Tja, viel größer als das, was man sieht, ist mein Protektorat auch nicht“, grinste Jack, während er eine allumfassende Bewegung mit seinen Armen machte.

„Ich denke, der Atlas sagt etwas Anderes“, lächelte Daniel. Es war, als ob ihn die weite Sicht und frische Luft ein wenig aus sich herausgehen ließen. Er trat sogar bis zur Brüstung vor und ließ seine Augen über das Land schweifen.

Jack betrachtete ihn interessiert. Das war das Deutlichste, was Daniel bisher an Begeisterung hatte sehen lassen. So gab er ihm noch eine Minute, sich ein bisschen umzuschauen.

„Danke, Herr“, meinte Daniel, als er bemerkte, dass Jack, an die Tür gelehnt, nur noch auf ihn wartete.

 

Als nächstes gingen sie in die Bibliothek, deren eine Wand von einem riesigen Bücherregal eingenommen wurde. Etliche unausgepackte Kisten standen herum, Bücherstapel lagen auf dem Fußboden, den beiden Stühlen und dem Schreibtisch, der eine Ecke einnahm. Doch Jack durchquerte den Raum nur und sie gelangten in einen großen, von Licht durchfluteten Raum, Jacks Arbeitszimmer. Vor dem Fenster stand ein wuchtiger Schreibtisch, links daneben eine etwas kleinere Ausführung.

Als Jack sah, dass Daniel seinen Blick nicht von den Papierbergen, die sich auf dem Schreibtisch türmten, losreißen konnte, seufzte er: „Ich hasse Papierkram. Wie man sieht.“ Er zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Von daher wirst du mir auch bei der Buchführung und sonstigem Schreibzeugs behilflich sein.“

„Ja, Herr.“

Ein Buch lag auf dem kleineren Schreibtisch und Daniel trat näher. „Darf ich?“

Jack nickte.

Warum Perten nicht Recht hat. Eine Antwort in fünf Thesen“, las Daniel den Titel laut vor. Überrascht blickte er auf.

„Kennst du das Buch schon?“

„Nein.“

„Lies es. Es ist sehr witzig geschrieben. Dann können wir beim Abendessen mal drüber sprechen. Vielleicht belebt es unsere Unterhaltung ein wenig.“ Jack grinste schief.

„Sehr gern, Herr.“

„Daniel, lass uns hier und jetzt mal was klären. Du bist mein persönlicher Diener und da wir eine nicht unerhebliche Zeit des Tages miteinander verbringen, möchte ich, dass du zu unserer Unterhaltung ein wenig mehr als nur Ja und Nein beisteuerst. Cameron hat immer etwas zu berichten gewusst. Und da wir uns noch nicht gut kennen, sollte doch eigentlich alles ein Thema abgeben.“

„Ich diskutiere mit Euch worüber Ihr möchtet“, antwortete Daniel zuvorkommend.

„Auch über die Zeit vor Kinsey?“

Jack sah, wie jedes Licht in den Augen von Daniel erlosch und er wieder unnahbar wurde. „Ich habe keine Erinnerungen an diese Zeit.“

Oder besser gesagt, du willst keine haben!

Beide schwiegen einen Moment, dann meinte Jack: „Okay. Deine erste Aufgabe hier wird es sein, den Bestand der Bibliothek aufzunehmen und zu katalogisieren.“

„Ja, Herr“, antwortete Daniel und fügte nach einem winzigen Moment des Zögerns noch mit einem angedeuteten Lächeln „gern“, hinzu.

Einen Moment überlegte sich Jack, ob er noch ganz normal sei, dass er erleichtert war, dass er etwas gefunden hatte, was seinem schwierigen Sklaven Freude bereitete – aber es war so.

Na, das konnte ja heiter werden!

 

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Nachdem Daniel das Abendessen geholt und ihn bedient hatte, forderte Jack ihn wieder auf, ihm gegenüber Platz zu nehmen.

Zwischen zwei Bissen fragte er: „Hast du dir schon einen ersten Überblick über die Bibliothek verschaffen können? Ich habe sie größtenteils von einem Onkel übernommen, hatte aber noch keine Zeit – und keine Lust – sie durchzusehen. Ich habe sonst schon genug Schreibkram rum liegen.“

„Es ist eine wunderbare Bibliothek, Herr“, antwortete Daniel und reichte Jack noch einmal den Brotkorb an.

„Inwiefern?“, fragte Jack mit vollen Backen.

„In den Kisten habe ich wahre Schätze gefunden.“ Er blickte Jack an und als der aufmunternd nickte, fuhr er fort: „Eine Erstausgabe der Enzyklopädie von Janus in 4 Bänden, die zweite Auflage der Gesänge eines Reisenden, zwei Theaterstücke von Paulin, die kaum noch zu bekommen sind. Ja, ich hatte noch keine Zeit genauer zu schauen, aber es sieht mir aus wie die komplette Ausgabe der Clanbücher aus dem vorigen Jahrhundert. Das ist alles wirklich ganz phantastisch und einmalig! Ich bin gespannt zu sehen, was sonst noch alles in den Kisten verborgen ist. Und es gibt sogar ein schwer beschädigtes Exemplar des Incompletus!“ Daniel strahlte über das ganze Gesicht. „Eine gute Buchbinderin wie Laura Jennings, die mit anerkannten Restauratoren zusammenarbeitet, könnte diesen Band bestimmt retten. Es fehlt nur noch…“

 

Beinahe hätte er ein Weinglas mit einer ausholenden Bewegung umgeworfen. Er konnte es gerade noch schnappen und vor dem Umkippen bewahren. Dieser Schreck brachte ihn von einer Sekunde zur nächsten wieder an den Esszimmertisch zurück. Einen Wimpernschlag noch hielt sich die Begeisterung in den Augen, dann meinte er reumütig: „Verzeiht mir, Herr, ich habe mich hinreißen lassen. Das war mehr ein Vortrag als eine Abendessen-Unterhaltung.“

„Ich habe zwar noch nicht von allen Titeln gehört“, grinste Jack, „aber ich habe den Eindruck, dass du meine Frage umfassend beantwortet hast.“

„Danke, Herr.“

„Wenn ich das richtig sehe, dann denkst du also, dass es in meiner Bibliothek einige Werke gibt, die wir bei unserem nächsten Stadtbesuch in die Hände einer Expertin geben sollten?“

„Ja, Herr.“

„Und den Rest?“

„Wenn es Euch Recht ist, würde ich eine Vitrine für die wertvollsten Exemplare reservieren, die anderen Bücher nach Sachgebieten und Autoren sortiert in Eure bereits vorhandene Bibliothek integrieren.“

„Mach das. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern, ehe wir wieder in die Stadt kommen. Wenn es so weiterschneit, sind wir, wenn wir Pech haben, erst einmal von der Umwelt für Wochen abgeschnitten. Deshalb kommen auch gleich noch einige alte Freunde vorbei, bevor das nicht mehr möglich ist. Es ist nur ein ganz kleiner Rahmen, ich werde dich ihnen vorstellen und ich möchte, dass du uns bedienst. Es ist nicht Offizielles, nur eine kleine private Einladung.“

Mit Verwunderung hatte Jack gesehen, dass Daniel bei diesen Worten immer blasser geworden war und fahrig an seiner Brille herumfingerte.

 

Daniel war verzweifelt. Hatte ihn die Vergangenheit doch wieder eingeholt! Für ein paar Tage hatte er gehofft, dass dies ein neuer Lebensabschnitt war. Aber es sollte wohl nicht sein. Doch  plötzlich wich seine Resignation einer Welle der Erkenntnis: er war der Situation nicht mehr hilflos ausgeliefert! Er konnte etwas dagegen tun! Daniel holte einmal tief Luft, dann sagte er völlig ruhig: „Nein, das werde ich nicht.“

Jack zwang sich, nicht wie ein Fisch auf dem Trockenen nach Luft zu schnappen. Er versuchte es wirklich. Aber er braucht drei Anläufe. Dann raste ein Sturm der Entrüstung durch ihn. Zorn. Wut. Unglauben. Das Gefühl ungerecht behandelt zu werden. Erstaunen darüber, Undankbarkeit und Aufmüpfigkeit von einem Sklaven zu hören. Und das nicht im Affekt, sondern ganz bewusst!

Cameron hatte diese Einladungen immer sehr zu schätzen gewusst und Jack hatte eigentlich eine ebensolche Begeisterung von diesem doch offensichtlich so gebildeten Menschen vor ihm erwartet. Und wenn schon kein Begeisterung, dann doch wenigstens Akzeptanz. Aber nun diese freche Antwort! Deshalb konterte er auch postwendend: „Natürlich wirst du das tun!“

„Nein.“ Daniel hob die Stimme nicht, schaute ihm aber fest ins Gesicht – ein weiterer Affront von seinem Sklaven.

Das war doch wohl nicht möglich! So etwas war ihm sein Lebtag noch nicht passiert! „Hier bestimme immer noch ich, was getan wird. Du gehörst mir! Und wenn ich sage, du bedienst uns, dann tust du das!“ Jacks Stimme war laut geworden und hatte einen hässlichen Klang angenommen.

„Nein. Ihr habt nichts mehr gegen mich in der Hand“, antwortete Daniel voller Genugtuung. „Ich werde Euren Freunden nicht zu Diensten sein.“ Er reckte sein Kinn noch ein paar Zentimeter nach oben und fixierte Colonel O’Neill, seinen Besitzer, herausfordernd.

Das wurde ja immer besser! Aber nicht mit ihm, musste Jack denken und so brüllte er:„Und ob! Und wenn ich dich von den Wachen hinschleifen lasse!“

 

Ein, zwei Sekunden herrschte atemlose Stille, Jack hoffte schon, dass Daniel zur Besinnung gekommen war, als dieser sich von seinem Stuhl erhob. Er trat neben Jack, doch statt auf die Knie zu gehen, hob er dessen mit Rotwein gefülltes Glas und goss es dem Colonel mit Schwung ins Gesicht. Er stellte das Glas auf den Tisch zurück und ergriff das Brotmesser.

Jack erwachte aus seinem Schock, schüttelte sich einmal kurz und ergriff blitzschnell Daniels Hand mit dem Messer, das dieser sich ohne Gegenwehr abnehmen ließ. In einer antrainierten Reaktion holte Jack mit dem Messer aus, um es Daniel in den Leib zu rammen.

Mit einem absolut triumphierenden Blick flüsterte Daniel: „Ja!“ und kam der Bewegung entgegen, ließ sich in die Klinge fallen.

Dieser Triumph erstaunte Jack dermaßen, dass er seine Bewegung überrascht stoppte, das Messer nach links ablenkte und nicht zustach.

Daniel stieß einen kleinen Schrei aus, als der Restschwung des Messers seine Kleidung dennoch durchdrang und seine Haut anritzte. Die Klinge fiel klirrend zu Boden und Daniel sackte vornüber. Direkt in Jacks Arme, der ihn reflektorisch auffing.

 

In diesem Moment klopfte es an der Tür und ein Dienstbote verkündete: „General Teal’c.“

„Teal’c!“, rief Jack erleichtert. „Du kommst gerade recht!“

Der General erfasste mit einem Blick die Situation, sah das Blut und das Messer am Boden, stürzte auf Jack zu und rief besorgt: „Bist du verletzt, O’Neill? Hat er versucht, dich umzubringen?“

„Nein, nein“, wehrte Jack ab. „Er hat versucht, mich dazu zu bringen, ihn zu töten.“ Jetzt, als er es laut sagte, wurde es ihm zum ersten Mal so richtig bewusst, dass es wirklich so gewesen war und er ließ Daniels Körper sachte zu Boden sinken.

Teal’c war sofort neben ihm und fragte noch einmal besorgt: „Du bist in Ordnung?“

„Ja. Das Blut, das du siehst, ist alles seins.“ Mit einem Kopfschütteln schaute Jack an sich herunter und sah die roten Flecken auf seiner Kleidung, seinen Händen und den Fleck, der sich rasch auf Daniels Hemd ausbreitete.

 

Der Dienstbote hatte in der Zwischenzeit Janet Fraiser hergeholt und die Haushälterin, die sich auch in der Heilkunde auskannte, kam zur Tür herein gerannt.

„Was gibt’s?“ Sie kniete sich sofort neben Daniel nieder.

„Er ist in mein Messer gelaufen“, erklärte Jack und wunderte sich, ob die Erklärung ziemlich blöd klang.

Janet jedenfalls schien sich nicht dran zu stören, denn sie beugte sich bereits über den Sklaven und schob vorsichtig sein Hemd zur Seite. Sie untersuchte die Wunde sorgfältig und meinte dann beruhigend: „Nur eine Fleischwunde. Er sollte eigentlich jeden Moment zu sich kommen. Es ist kein lebenswichtiges Organ verletzt worden. Ich werde ihm einen Verband machen und dann erklären Sie mir vielleicht, wie er in Ihr Messer laufen konnte?“

Hörte Jack die Spur eines Tadels oder Unglauben raus? Er nahm die Hände in Abwehrstellung nach oben. „Ich weiß nicht, wie es dazu kam! In dem einem Moment erzählt er mir voller Begeisterung was für tolle Bücher ich in der Bibliothek habe und im…“

„O’Neill, wer ist er überhaupt? Ist er nicht einer deiner Gäste?“, unterbrach ihn Teal’c in diesem Moment.

„Er ist mein neuer Sklave. Ich habe dir doch von dem Tausch geschrieben, auf dem Kinsey bestanden hat.“

„Das ist der neue Sklave? Er entspricht so gar nicht deinem sonstigen Geschmack.“

„Teal’c!“ Jack gab sich geschockt, dann lächelte er schief. „Aber du hast Recht, viel zu intellektuell, nicht wahr?“ Jack zog dem bewusstlosen Daniel die verrutschte Brille von der Nase und legte sie auf den Tisch.

„Cameron hatte etwas von einer neugierigen, verspielten Katze an sich“, gestand ihm Teal’c mit einem leichten Nicken des Kopfes zu.

„Der hier ist nicht im Geringsten verspielt. Aber suizidal“, seufzte Jack und gab Teal’c und Janet, die gerade die Verbände festzurrte, einen kurzen Abriss der letzten viertel Stunde.

„Hast du ihm gesagt, wer kommt?“

„Nein, nur Freunde.“

In diesem Moment wurden die restlichen Besucher gemeldet und Jack schickte Teal’c, sie zu empfangen. Er erkundigte sich noch bei Janet: „Sein Zustand ist stabil?“

„Ich denke schon. Aber ich werde noch einen Moment bei ihm bleiben.“

„Sollen wir ihn hier liegen lassen?“

„Wir sollten ihn im Moment nicht bewegen.“

„Okay. Passen Sie auf ihn auf.“

 

Als Jack in den Salon kam, hatte die Geschichte schon die Runde gemacht und General Hammond begrüßte ihn jovial: „Teal’c sagt, Sie haben jetzt eine Wildkatze daheim, Colonel O’Neill?“

„Nun, niemand hätte Ihnen einen Vorwurf gemacht, wenn Sie den Sklaven getötet hätten, Jack, wenn er Ihnen mit Absicht ein Glas Wein ins Gesicht geschüttet hat“, bemerkte Colonel Mayborne und trank noch einen Schluck aus seinem Glas.

„Habt ihr schon mal einen Sklaven gehabt, der unbedingt von eurer Hand getötet werden wollte?“, erkundigte sich Jack nun.

Die anderen dachten kurz nach, dann schüttelten sie den Kopf.

„Weglaufen, das würde ich verstehen, sich nie in die Situation einfinden – auch das kommt vor. Aber das ist nicht der Fall bei ihm! Er ist außerordentlich gut erzogen, ja fast devot, immer die Augen auf dem Boden, jeder Befehl wird sofort erledigt – und jetzt das! Wegen so einer Nichtigkeit! Ich verstehe das nicht. Noch weniger verstehe ich, wie er es acht Jahre bei dem Lordprotektor ausgehalten hat und nach einer Woche bei mir will er getötet werden!“

„O’Neill, Kinsey steht auf Frauen, vielleicht wollte der Sklave nicht mit dir ins Bett?“, erkundigte sich Teal’c mit der ihm eigenen Zurückhaltung.

Jack schluckte, dann sagte er ehrlich: „Ich habe es bisher erst einmal von ihm verlangt und da hat er es ohne Widerrede gemacht. Er war sogar schon … vorbereitet, von daher bin ich mir sicher, dass …Kinseys Vorliebe für Frauen hin oder her, das konnte für ihn nicht neu sein.“

Die drei Männer schauten sich ratlos an.

Es klopfte und ein Bediensteter teilte ihnen mit, dass Miss Fraiser ihn geschickt habe, da der Sklave erwacht sei.

„Sehr schön! Dann werden wir jetzt unsere Antwort bekommen!“, rief Jack und rieb sich unternehmungslustig die Hände. Die anderen drei Männer begleiteten ihn nach nebenan.

 

Daniel lag, von zwei Wachen bewacht, immer noch auf dem Fußboden. Als er sah, dass vier Männer das Zimmer betraten, alles Militärangehörige, schlug er die Hände vors Gesicht und sein Körper wurde von lautlosem Schluchzen geschüttelt. Er war wirklich ein Versager, nicht einmal seinen eigenen Tod konnte er richtig inszenieren!

Die vier Männer und Janet warfen sich erstaunte Blicke zu, dann kniete sich Jack zu Janet und Daniel auf den Boden und zog ihm ganz behutsam die Hände von den Augen. Daniel wehrte sich nur den Bruchteil einer Sekunde, dann gab er dem Druck widerstandslos nach.

Abgrundtiefe Verzweiflung blickte Jack entgegen. „Warum konntet Ihr mich nicht einfach töten, Herr?“, flüsterte Daniel und er konnte nichts dagegen tun, dass sich seine Augen mit Tränen füllten.

„Nun, Sklaven sind für gewöhnlich zu teuer, um sie einfach so abzustechen“, meinte Mayborne, auf einen Lacher bedacht.

Daniel schenkte ihm keine Beachtung, schaute Jack ins Gesicht und sagte: „Ich hätte es nicht von Euch gedacht.“ Dann schloss er die Augen. Jack schaute seine Freunde fragend an.

Hammond kniete sich auf Daniels andere Seite, ein wenig ächzend bei seiner Körperfülle und ließ eine Hand über die Innenseite von Daniels Schenkel wandern.

Der ballte die Hände zu Fäusten und seine Tränen liefen ihm jetzt ungehindert übers Gesicht, er machte keinen Versuch mehr, sie zu stoppen.

 

„Ich denke, da haben Sie Ihre Antwort“, meinte der General und hievte sich wieder hoch.

Mayborne blickte ihn fragend an: „Ich verstehe nicht…?“

„Ich denke, General Hammond will uns mitteilen, dass Lordprotektor Kinsey selbst zwar kein sexuelles Interesse an dem Sklaven hatte, dass es aber so aussieht, als habe er ihn weitergereicht. An „Freunde“ ausgeliehen. Deshalb seine Panik als O’Neill sagte, Freunde kämen zu Besuch. Ist das korrekt, Sklave?“

„Stimmt es etwa nicht?“, fragte Daniel mit mörderischer Wut in der Stimme, als er jetzt die Augen wieder aufschlug, um hasserfüllt erst den Sprecher, dann Jack anzufunkeln.

„Was?“, räusperte sich Mayborne entsetzt. „Ich soll…?“

„Es…es… stimmt nicht?“, wandte sich Daniel an Jack, halb ungläubig, halb hoffend.

„Außer O’Neill ist hier niemand an männlicher Gesellschaft im Bett interessiert“, mischte sich Teal’c ein, bevor Jack antworten konnte.

Daniel suchte in Jacks Zügen nach Bestätigung und der nickte. „Ehrlich nicht. Aber ich denke, du hast trotzdem ein Problem, Sklave.“

„Der Wein, ich weiß“, nickte Daniel und dann verzogen sich seine Lippen zu einem winzigen Lächeln. Wenn es weiter nichts war, damit konnte er fertig werden. Körperliche Schmerzen jagten ihm keine Angst ein. Wenn sie versuchten seinen Willen zu brechen, seine Seele hinab zu ziehen, da lag für ihn der eigentliche Horror.

 

Daniel wollte sich aufsetzen, doch Janet drückte ihn wieder auf den Boden zurück. „Vor morgen früh stehst du nicht auf und vor nächster Woche wird dich dein Herr nicht strafen.“ Sie warf Jack einen Blick zu, der ihm riet, gar nicht er zu versuchen, dagegen anzureden.

„Wenn Janet das sagt“, beantwortete er den fragenden Blick seines Sklaven. „Also, bis nächste Woche bist du sicher, wenn du mir versprichst, dich deiner Strafe nicht durch einen neuen Selbstmordversuch zu entziehen.“

„Es besteht kein Anlass mehr zu einem solchem Schritt. Und – es tut mir Leid, dass ich so an Eurer Redlichkeit gezweifelt habe, Herr, und natürlich auch an der Eurer Freunde. Bitte verzeiht mir die Fehleinschätzung.“ Daniel gingen die Worte überraschend leicht von den Lippen, denn er begann, ganz vorsichtig, dem Colonel zu vertrauen.

„Okay, ich werde deine Entschuldigung beim Strafmaß berücksichtigen“, gestand ihm Jack zu.

 

Doch als Teal’c und Mayborne auch nur zufällig einen Schritt näher traten, sah Jack ganz deutlich erneut die Panik in Daniels Augen aufflattern und sein Atem beschleunigte sich, wenngleich er sich zwang, ganz ruhig liegen zu bleiben.

Als wäre er gar nicht anwesend sagte Mayborne, der ihn aufmerksam musterte, nun: „Er sieht doch ganz kräftig aus. Sie können ihn doch wenigstens auf dem Feld arbeiten lassen, wenn er wieder gesund ist. Vielleicht sogar in der Schmiede, wenn er noch ein paar Muskeln zulegt. Aber die kommen ja bekanntlich beim Arbeiten.“

„Daniel archiviert zur Zeit die Bibliothek“, bemerkte Jack trocken.

„Hey, das heißt ja, dass er lesen kann! Das ist ja schon mal ein Fortschritt“, lachte Mayborne wieder für sich allein.

„Janet, sollen wir ihn hier heute Nacht liegen lassen?“, erkundigte sich Jack, ehe Mayborne mit seinen Ungeschicklichkeiten fortfahren konnte.

„Im Bett würde er besser liegen.“

„Wachen, hebt ihn vorsichtig rüber“, befahl Jack.

Als er Daniels Handgelenk dann wieder an den Bettpfosten fesselte, flüsterte der: „Danke, Herr.“

Nach einem letzten, nachdenklichen Blick ging Jack mit seinen Gästen wieder in den Salon.

 

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Die Festlichkeiten der Hochzeit wurden noch einmal in allen Einzelheiten durchgekaut, jeder konnte noch ein Anekdötchen zum Besten geben. Schnell war man auch wieder bei Kinsey gelandet und da man unter sich war, brauchte niemand ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Denn so verschieden sie in ihren sonstigen Ansichten auch sein mochte, ein gewaltiges Misstrauen gegen den Macht besessenen Lordprotektor und seine oftmals undurchschaubaren Machenschaften, einte sie über alle Differenzen hinaus. Sie trugen alles an Klatsch zusammen, was es über Kinsey zu wissen gab und verbrachten eine angenehme halbe Stunde vor einem prasselnden Kaminfeuer mit einem guten Glas Wein in der Hand.

 

Doch plötzlich kam Jack wieder ein Dialog-Fetzen der letzten Begegnung in den Kopf. Grübelnd fragte er laut: „Was hat er wohl gemeint mit: Ihr habt nichts mehr gegen mich in der Hand? Was hatte Kinsey gegen einen Sklaven in der Hand, so dass der nicht einmal mehr in den Tod gehen konnte?“

„Wissen?“, schlug Mayborne vor.

„Wenn er sterben wollte, hätte jegliches Wissen seine Bedeutung verloren“, wehrte Teal’c ab.

„Wartet mal! Jack, Sie haben doch gesagt, er ist vor acht Jahren zu Kinsey gekommen, richtig?“, fragte Mayborne.

„Stimmt.“

„Das wäre genau das blutige Ende der Aufstände in den Südprotektoraten“, gab General Hammond zu bedenken. „Der Lordprotektor hat dort ganze Dörfer in die Sklaverei verschleppen lassen.“

„Und er hat sich eine Ziehtochter mitgebracht, als Spielgefährtin für seine einzige Tochter, da er bis dahin nur mit Söhnen gesegnet war“, grub Teal’c eine weitere Erinnerung aus.

„Oh ja, DIE Sache. Aber man muss ja sagen, er hat sie immer erstaunlich anständig behandelt. Dabei hatten nicht wenige gewettet, dass sie nicht nur eine Spielgefährtin für seinen Tochter sein würde“, bemerkte Mayborne anzüglich.

„Könnte es also sein, dass Daniel etwas mit dieser … wie hieß sie noch gleich, sie war doch auf der Hochzeit…“ Jack suchte einen Moment nach dem Namen, dann rief er triumphierend: „Sha’re! Meint ihr, er steht in irgendeiner Beziehung zu Sha’re?“

General Hammond wollte wissen: „Wie heißt er denn mit Nachnamen?“

Jack zuckte die Schultern. „Keine Ahnung, ich habe mir seine Sklavenpapiere noch nicht genauer angeschaut.“ Aber er erhob sich und ging in sein Büro.

Nach ein paar Minuten kam er wieder und entfaltete unter dem wachsamen Blick seiner Freunde das versiegelte Pergament.

 

„Daniel Jackson“, las er vor und für einen Moment war es ganz still im Raum.

„Jackson? Dann ist er ihr Bruder, wenn mich nicht alles täuscht“, nickte General Hammond bestätigend.

„Und nicht nur das. Er ist ein politischer Sklave, O’Neill. Das heißt, der Lordprotektor hat einem Verkauf oder einem Todesurteil zuzustimmen, da er direkt der Krone untersteht. Das ist in der Tat eine missliche Situation.“

„Ja, ja, Teal’c, ich weiß, ich hätte das verdammte Papier gleich lesen sollen. Aber geändert hätte das auch nichts. Kinsey wollte, dass ich ihn mitnehme. Und mir ist jetzt auch klar wieso. Für ihn war er wertlos geworden – wofür er ihn auch immer benutzt hat. Denn sein Druckmittel, Sha’re, ist vor ein paar Tagen mit Kinseys Tochter außer Reichweite gereist. Seinem heutigen Auftritt nach zu urteilen, wusste Kinsey, dass er Selbstmord begehen würde, wenn er ihn noch einmal zu etwas zwingen würde.“

„Das Blöde ist, für Sie ist er ohne die Schwester auch nutzlos, Jack“, meinte Mayborne mit einem fatalistischen Schulterzucken und griff erneut zu seinem Glas.

„Da ist noch mehr, Colonel O’Neill“, ergriff General Hammond jetzt noch einmal das Wort. „Claire und Melborne Jackson, seine Eltern, waren die geistigen Köpfe der Aufstände im Süden. Sie haben die aufrührerischen Schriften herausgebracht, die das Ganze erst ausgelöst haben und sie waren die engsten Berater der rebellierenden Generäle. Freigeister und Unruhestifter.“

„In der Tat, ihre Bücher werden noch heute heimlich gedruckt und schüren immer wieder Unzufriedenheit mit dem System“, nickte Teal’c.

„Nun, wenn er mit dem gleichen Temperament und Starrsinn wie seine Eltern gesegnet ist, dann haben Sie ja noch spannende Zeiten vor sich“, lachte Mayborne.

Jack grinste: „Harry, ich habe den ganzen Winter, ihn zu zähmen.“

„Na, dann wird Miss Fraiser ihn ja noch einige Male zusammen flicken müssen, wenn das heute ein kleiner Vorgeschmack war“, meinte Hammond.

Die Männer lachten und malten für O’Neill noch ein paar Schreckenszenarien aus. Er ging grinsend darauf ein, steuerte auch ein paar absurde Vorschläge bei und dann begaben sie sich eifrig plaudernd zum Abendessen in das Speisezimmer.

 

Als Jack einige Stunden später sein Schlafzimmer betrat, sah er, dass Daniel noch wach war.

„Du schläfst noch nicht?“, rief er erstaunt.

„Herr, ich… ich müsste noch mal ganz dringend … ins Bad“, erwiderte Daniel unwohl.

„Warum hast du nicht eine der Wachen gerufen?“

„Es sind Eure Wachen, Herr. Sie sind nicht dazu da, mich zu bedienen.“

„Na klar“, seufzte Jack. Verquere Logik, aber typisch Daniel. Er löste Daniels Fessel, dann kratzte er sich am Kopf und meinte: „Ich fürchte, wir haben da ein Problem. Du sollst noch nicht aufstehen.“

„Nur bis ins Bad, Herr“, insistierte Daniel.

„Bleib liegen!“, befahl Jack und kehrte einen Augenblick später mit einer leeren Blumenvase zurück. „Hier, … äh… reicht das?“ erkundigte er sich, während er Daniel die Vase hinhielt.

„D…danke, Herr.“ Zögerlich nahm Daniel die Vase entgegen.

 

Jack ging für eine Weile ins Ankleidezimmer, machte sich für die Nacht fertig und als er wiederkam, trat er neben Daniels Bett und fragte: „Fertig?“

„Ja, Herr.“

„Dann gib her.“

„Herr! Ihr könnt doch nicht… aber … das …“

„Soll ich eine Wache rufen, die die Vase auf den Tisch stellt?“, erkundigte sich Jack sarkastisch, während er Daniel die Vase aus der Hand nahm. Er trug sie dann nach kurzer Überlegung sogar bis ins Bad.

Als er zurückkam, kniete er sich neben Daniels Bett, um wieder die Fessel zu befestigen. Er musste Klarheit haben und so sagte er ganz deutlich: „Sha’re Jackson.“

Das absolut entsetzte „Nein!!“ war ihm Antwort genug, obwohl Daniel sofort nach diesem Ausbruch die Augen schloss und ganz flach atmete.

„Schau mich an!“, befahl Jack und Daniel gehorchte.

„Sie ist deine Schwester, nicht wahr?“

„Sie ist für Euch unerreichbar!“, rief Daniel verzweifelt und versuchte sich aufzurichten.

Jack presste ihn wieder in die Kissen zurück. „Ja, das ist sie. Sie ist in Sicherheit. Und jetzt bleib liegen, oder die Wunde bricht wieder auf.“

„Was… was wollt Ihr dann?“, rang sich Daniel durch zu fragen.

„Ich wollte nur meine Neugierde befriedigen, Daniel Jackson.“

 

Einen Moment schwiegen beide, dann sagte Daniel leise: „Ihn gibt es nicht mehr, Herr.“

„Ach, nein? Und wer bist du?“

„Euer Sklave Daniel, Herr.“

Jack zog eine Augenbraue nach oben. Interessante Gedankengänge! Plötzlich fiel Jack ein Detail der Hochzeit ein und er meinte: „Aber Kinsey hat dich die ganze Zeit bei der Hochzeit deine Schwester bedienen lassen!“

„Ja, Herr.“

„Wie hat sie es aufgenommen?“

Einen Moment rang Daniel mit sich, dann entschloss er sich, ehrlich zu sein. „Es war als letzte Demütigung gedacht, aber Sha’re und ich haben es nicht so gesehen. Unwissentlich hat er uns eine letzte Gelegenheit für ein paar vertrauliche Worte gegeben. Warum glaubt Ihr denn, war sie auf einmal so wählerisch, was die Speisen anging?“

Jack lächelte; es gefiel ihm, dass der Lordprotektor in seiner Oberklugheit ausgetrickst worden war. Milde gestimmt sagte er überraschend: „Sobald ich weiß, dass das Schiff der Königin sicher angekommen ist, lasse ich es dich wissen. Gute Nacht, Daniel.“

„Äh… Ja … Gute Nacht, Herr“, beeilte sich Daniel eilig zu versichern und stotterte hilflos. So schnell konnte er diese letzte Freundlichkeit nicht ganz verdauen.

 

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Am nächsten Morgen bequatschte Daniel Miss Fraiser so lange, bis sie ihn für gesund genug erklärte, so dass er für ein paar Stunden in der Bibliothek arbeiten konnte.

Von den drei Männern und O’Neill sah er in den nächsten Tagen Gott sei Dank nicht viel, da sie die meiste Zeit mit Ausritten, Kartenspielen, Diskussionen oder gemütlichen Abenden vor dem Kamin verbrachten.

 

Jack musste feststellen, dass sein Sklave in Janet eine treue Anhängerin gefunden hatte. Denn nachdem sie ihn eines Morgens in seinem Büro aufgesucht hatte und zu einigen Dingen befragt hatte, die seiner Entscheidung bedurften, meinte sie zum Abschluss: „Colonel O’Neill, ich muss mich bei Ihnen beschweren und habe die Unterstützung von Walter. Sie lassen Ihren neuen Sklaven viel zu lange arbeiten! Die Bücher haben sechs Monate herumgelegen, da kommt es auf ein paar Tage doch wohl auch nicht an. Vorgestern, als Sie und ihre Gäste alle außer Haus übernachtet haben, da hat er weit bis nach Mitternacht gearbeitet und erst Walters unmissverständliche Aufforderung hat ihn dann ins Bett gebracht. Heute früh ist er schon um fünf Uhr aufgestanden! Dabei ist er so ein angenehmer und höflicher und zuvorkommender Mensch, Sir, so gar nicht oberflächlich wie… na ja, ist ja auch egal, jedenfalls…“

„Wie meine anderen Bettgefährten, Janet, wollten Sie das gerade sagen?“

„Sir, ich führe Ihnen seit fünfzehn Jahren den Haushalt. Ich habe schon einige kommen und gehen gesehen und es war noch niemals jemand mit so bescheidenen, höflichen Umgangsformen dabei. Nein, Sir, es ist noch mehr. Er ist so…“

„Was?“

„So ängstlich, so verunsichert, so … misstrauisch. Er wollte nicht glauben, dass ich auch während Ihrer Abwesenheit ihm etwas zu essen bringen lassen kann und Walter hatte Probleme ihn zu überzeugen, dass er weiterhin die Erlaubnis hat in seinem Bett zu schlafen. Und, Sir, ich musste mit Engelszungen reden, ehe er ein altes Hemd von Ihnen als Ersatz für das zerrissene akzeptiert hat.“

„Oh je, Janet, mir wird erst so ganz langsam klar, auf was wir uns da eingelassen haben“, fasste Jack es für sich zusammen.

„Aber er ist es wert“, bestätigte Janet ihm im Brustton der Überzeugung. „Denn wenn er mal für einen Moment auftaut, kann er so etwas von charmant sein! Doch nun genug, Sir, ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich gut auf in Acht geben werde!“

Jack lachte: „Ich höre die Drohung ganz deutlich!“ und beschloss diesem seltenen Exemplar, das vor Janets Augen Gnade gefunden hatte, einen Besuch abzustatten.

 

Die Bibliothek sah wüst aus. Im ganzen Raum standen Bücherstapel und geöffnete Kisten herum, nur der eine Sessel hatte eine Schutzzone von etwa einem Meter drum herum.

Als Jack eintrat rief Daniel, von einem Stapel Bücher verdeckt: „Ich habe jetzt die Maße, Walter! Wenn Colonel O’Neill zustimmt, können wir noch diese Woche anfangen.“

„Womit?“, fragte Jack und beugte sich so, dass er über den Bücherstapel lugte.

Daniel Kopf tauchte ruckartig auf, als er die Stimme hörte und sofort entschuldigte er sich: „Verzeiht, ich dachte Ihr seid Walter. Ich wusste nicht, dass Ihr zurück seid. Es tut mir Leid, dass ich zu Eurer Begrüßung nicht in der Halle war.“ Verdammt er hätte darauf gefasst sein sollen, dass man auch in diesem Haushalt niemanden trauen konnte! Wie hatte er auch nur annehmen können, dass ihn der Waffenmeister nicht reinreißen würde, wenn er die Gelegenheit dazu hatte? Schließlich ging es immer darum, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Und so fügte er noch ganz gegen besseres Wissen hinzu: „Es ist ganz allein meine Schuld.“

Jack schaute ihn erstaunt an. „Daniel, wenn ich gewollt hätte, dass du in die Halle kommst, hätte ich dich rufen lassen. Und da ich dich nicht mit den Füssen auf meinem Schreibtisch lümmelnd vorgefunden habe, kannst du dich wieder abregen, okay?“

 

In diesem Moment betrat Walter die Bibliothek und rief erfreut: „Ach, Sir, hier sind Sie! Und was sagen Sie zu der Idee mit dem doppelten Regal?“

„Keine Ahnung, ich weiß noch von nichts“, antwortete Jack fragend.

„Daniel hat die Idee für ein frei bewegliches Regal vor dem schon vorhandenen Bücherregal. Das bringt die doppelte Stellfläche bei nur circa fünfzig Zentimeter Raumverlust.“

„Klingt gut.“

„Das habe ich auch gesagt, Sir“, nickte Walter begeistert.

„Und das funktioniert?“, erkundigte sich Jack bei seinem Sklaven.

„Ja, Herr.“

„Und du hast die Maße?“

„Ja, Herr.“ Daniel ging zu seinem Tisch, wühlte einen kleinen Moment zwischen den ganzen Schriften herum, um dann ein eng beschriebenes Blatt heraus zu ziehen. „Dies sind diverse Skizzen von allen Seiten – und hier stehen die ganzen Aufmaße. Dies ist eine Liste der benötigten Materialien und diese beiden Skizzen verdeutlichen die Konstruktion der Laufräder und die Anbringung an der Decke. Hier, auf der Rückseite, stehen Details zur Führungsschiene im Boden. Eigentlich sollten Ihre Handwerker ohne Mühe danach arbeiten können.“

„Beeindruckend!“, entfuhr es Walter.

„Äh, Daniel, wieso klingst du so, als stündest du die nächsten Tage nicht für Auskünfte zur Verfügung? Willst du irgendwo hin, wovon ich nichts weiß?“ Jack legte den Kopf schief und schaute Daniel misstrauisch an.

„Nein, Herr.“

„Warum dann … Hey, du hast versprochen, dass du dir nichts antust!“ Jack ergriff Daniel fest am Oberarm, als ihm plötzlich ein schrecklicher Gedanke kam, warum Daniel den Eindruck vermittelte, so etwas wie ein Vermächtnis geschrieben zu haben.

Daniel sank neben ihm auf die Knie. „Ich habe es versprochen und ich halte meine Versprechungen auch. Doch, Herr, morgen ist die Woche um, die Miss Fraiser und Ihr mir zur Genesung zugestanden habt. Da wollte ich vorher alle Arbeiten erledigt haben. Herr, gebt mir noch etwa sechs Stunden, dann bin ich auch mit der groben Katalogisierung fertig, daran kann ich dann die ersten Tage arbeiten, wenn ich nicht in die Bibliothek kann. Ist … die Bitte zu vermessen?“

„Aber du kannst doch jederzeit in die Bibliothek, selbst wenn wir hier das Regal zusammenbauen“, schüttelte Walter verständnislos den Kopf.

„Steh endlich auf“, meinte Jack müde, dem Daniels Eile plötzlich einleuchtete. „Walter, ich denke, ich weiß, was Daniel uns sagen will.“

„Ja?“

„Ja.“

Er wandte sich an Daniel. „Du erwartest, dass ich dich so auspeitschen werde, dass du in den nächsten Tagen nicht in der Lage sein wirst, dein Bett zu verlassen, stimmt’s?“

„Ja, Herr.“

„Was?“, rief Walter aufgebracht. „Janet wird…“

„Ruhe!!“, donnerte Jack, ehe Walter seine Autorität noch weiter untergraben konnte, gleichzeitig konnte er noch so gerade seinen Sklaven abfangen, der schon wieder auf den Boden sinken wollte. Das wurde langsam wirklich lästig!

Mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton erkundigte sich Walter jetzt: „Aber, Sir, habt Ihr ihm denn noch nicht gesagt, welche Strafe ihn erwartet?“

„Herrjeh! Ich bin doch noch keine halbe Stunde zurück! Erst wollte mich Janet sehen, dann bin ich gleich hierher gekommen, und überhaupt, die letzten Tage hatte ich so viel um die Ohren…“

Walter sagte nichts, aber er hatte eine Art die Stirn zu runzeln, die seine Missbilligung auch ohne Worte deutlich rüber brauchte. So auch in diesem Fall.

Seufzend ergab sich Jack in sein Schicksal und meinte: „Also, um dich und auch dich“, er blickte Daniel an, „zu beruhigen – Daniel, du wirst einen Tag später wieder in der Bibliothek arbeiten können. Okay?“

„Danke, Herr.“

„Sehr gut, Sir“, meinte auch Walter und verabschiedete sich mit Daniels Zeichnungen unter dem Arm von den beiden.

Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, wandte sich Jack an Daniel: „Jetzt musst du mir noch den Trick verraten, mit dem du die beiden gefürchtetsten Mitglieder meines Haushalts in so kurzer Zeit um den kleinen Finger gewickelt hast.“

„Ich bin selbst erstaunt, Herr“, gestand Daniel ihm ein und hatte dabei einen so verwunderten und unschuldigen Gesichtsausdruck, dass Jack auf einmal verstehen konnte, warum Walter das Bedürfnis verspürt hatte, diesen erwachsenen Mann zu beschützen.

 

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Am nächsten Tag musste Jack in das nahe gelegene Dorf reiten, um dort einige Streitigkeiten zu klären. Als er durchgefroren am Abend zurückkehrte, ließ ihm Daniel eine Badewanne mit warmem Wasser ein.

Jack sank erleichtert in das nach Wiesenkräutern duftende Nass und schloss für einen Augenblick behaglich die Augen. Als er nach einer Weile bemerkte, dass er nicht mehr allein war, öffnete er sie wieder und blickte auf Daniel, der ihn tatsächlich jetzt von sich aus fragte: „Möchtet Ihr etwas Wein, während Ihr Euch in der Badewanne entspannt?“

„Nein, lieber gleich beim Abendessen. Aber du könntest mir den Rücken schrubben“, schickte Jack noch, nicht ganz ernst gemeint, hinterher. Er war erstaunt, als Daniel jetzt sein Hemd über den Kopf zog, ordentlich zusammenfaltete, zur Seite legte und sich neben die Badewanne kniete. Er sollte wirklich aufpassen, mit dem, was er so leichtfertig dahin sagte!

Aber da Daniel schon mal da war, reichte er ihm wortlos den Schwamm und rutschte in der Badewanne ein paar Zentimeter vor.

 

Daniel tauchte den Schwamm ein, presste ihn wieder aus und ließ mehrmals warmes Wasser über Jacks Rücken laufen. Dann nahm er Seife dazu und wusch Jacks Rücken in großen, sanften Kreisen. Jack streckte ihm einen Arm hin und wortlos wusch Daniel ihn. Ebenso den zweiten. Jack lehnte sich wieder gegen den Rand der Wanne und flüsterte: „Mach weiter.“

Daniel rieb mit dem Schwamm über Jacks Brust und dann etwas tiefer über seinen Bauch. Als seine Finger dabei zufällig gegen Jacks Penis stießen, war beiden klar, dass Jack sogleich auf diese Berührung reagierte.

Daraufhin wanderte Daniels Hand sofort tiefer und er seifte die Beine und die Füße ein. Als er damit fertig war und abwartend aufhörte, konnte Jack nicht anders und sagte: „Du hast noch etwas ausgelassen.“

„Gesicht und Haare?“, murmelte Daniel, brachte den Schwamm aber an Jacks Genitalien und rieb sanft darüber. Colonel O’Neill war zwar ein großzügiger Herr, aber Daniel wollte ihn nicht zu weit herausfordern. Und so lange er den Colonel berührte, war es immer noch besser, als wenn der das bei ihm machen würde.

Eine halbe Auflehnung, musste Jack grinsend denken. Herausfordernd antworten, aber gleichzeitig den Erwartungen genügen – eine sehr interessante Kombination. Aber schon bald dachte Jack gar nichts mehr, das über wie angenehm hinausging. Zwar berührte Daniel ihn niemals direkt, aber der Druck, den er mit dem leicht kratzigen Schwamm ausübte, war gerade richtig. Auch die Geschwindigkeit stimmte und Jack seufzte wohlig auf.

Aber verflixt, er hatte ja noch Gäste!

Er öffnete die Augen und sah, dass Daniel ihn durch seine Brillengläser interessiert musterte. Verdammt! So lange wie Daniel das mehr als ein Lernexperiment denn als Verführung ansah, wollte er so nicht kommen! Das wäre doch zu peinlich!

Resolut setzte er sich auf und barsch befahl er: „Reich mir ein Handtuch!“

Sofort holte Daniel ein angewärmtes Handtuch und hielt es dem Colonel hin.

Der wickelte sich da rein und sagte: „Nimm auch ein Bad!“

„Ja, Herr.“

 

Unter Jacks interessiertem Blick zog sich Daniel rasch aus und stieg in die Wanne. Während Jack sich abtrocknete, wusch er sich rasch und effizient und war keine fünf Minuten später mit allem fertig. Er stand auf und blieb unschlüssig, was er tun sollte, in der Wanne stehen. Jack beobachtete einen Moment wie kleine Rinnsale über Daniels Körper liefen. Er suchte sich einen dieser Tropfen aus und versuchte, seinen Weg zu verfolgen. Von Daniels Haar, über seinen Hals, die Knochen des Schlüsselbeins, die haarlose Brust herunter, bis er sich dann in den dunkelbraunen Locken verfing. Daniels Penis war klein und weich und zeigte keinerlei Zeichen von Erregung, selbst nicht, als Jack ihn jetzt so ausführlich musterte. Er hätte ihn gerne berührt, um zu sehen, ob er darauf reagiert hätte, rief sich allerdings zur Vernunft und reichte Daniel stattdessen sein Badehandtuch, der es erstaunt entgegen nahm.

„Danke, Herr.“

Damit war der Zauber des Moments für Jack gebrochen. Er wandte sich ab und erkundigte sich von der Tür aus: „Wenn ich dir jetzt sage, dass du mich in den Blauen Salon zu meinen Freunden begleiten sollst, wirst du es dann tun, ohne dass mir etwas um die Ohren fliegt?“

„Herr, das wird nie wieder geschehen.“

„Gut, in einer viertel Stunde im Blauen Salon.“

„Ja, Herr.“

Sorgfältig kleidete sich Daniel an und reckte und streckte noch einmal alle Muskeln und erfreute sich an der Schmerzfreiheit. Er hoffte, dass der Colonel Wort halten würde. Ja, er war sich dessen sogar fast sicher. Aber er müsste aufpassen, dass die angenehmen Stimmung im Haushalt ihn nicht weich werden ließ. Es hatte ihn viele Jahre gekostet, seinen Schutzwall aufzubauen, all die Gemeinheiten an sich abprallen zu lassen, all die Schläge durch Konzentration in einen Teil seines Gehirns zu verschieben, so dass er sie nicht mehr ganz deutlich spürte. Das alles konnte er nicht aufs Spiel setzen. Er atmete noch ein paar Mal ganz bewusst durch, dann begab er sich in den Blauen Salon.

 

Dort lungerten verdächtige viele Leute rum, so dass davon auszugehen war, dass Walter wohl geplaudert hatte, was den Termin seiner Bestrafung anging. Miss Fraiser ließ es sich nicht nehmen, heute selbst die Vorspeise zu servieren, Walter hatte eigenhändig den Wein ausgesucht und entkorkte ihn jetzt umständlich am Tisch. Es sah aus, als hätte jeder Gast heute seinen persönlichen Bediensteten, denn es standen auffällig viele Leute um den Tisch herum, die irgendeine Schüssel hielten oder eine Karaffe anreichten.

Mit unverhohlener Neugierde starrten die meisten Daniel bei seinem Eintritt an. Richtige Bestrafungen waren selten in Colonel O’Neills Haushalt, er führte ein eher lockeres Regiment. Meist verteilte Miss Fraiser gleich einige Klapse mit dem Kochlöffel, wenn in der Küche oder Wäschestube etwas nicht rund lief und Walter verfuhr ähnlich mit den männlichen Bediensteten.

Sicher, von Zeit zu Zeit hatte der Colonel auch schon mal seine anderen Sklaven gestraft, aber oft hatte er sie gleich im Schlafzimmer übers Knie gelegt und keinen öffentlichen Auftritt daraus gemacht.

Aber dieser Sklave schien ja ein ganz anderes Kaliber zu sein, nach allem was Miss Fraiser und Walter in der Küche erzählt hatten, während das ganze Personal eifrig gelauscht hatte.

Mit einem Blick erfasste Jack die Situation und erhob sich von seinem Stuhl.

 

„Komm her!“, meinte er zu Daniel und zu den restlichen Anwesenden gewandt sagte er spöttisch: „Wenn ich will, dass in diesem Haushalt heute noch mal wieder gearbeitet wird, bringen wir es wohl am Besten gleich hinter uns. – Daniel? “

 „Ja, Herr“, antwortete dieser und sank neben ihm zu Boden.

„Ich werde dich jetzt mit zehn Schlägen für deinen Ungehorsam strafen. Und dann stehen Colonel Mayborne, General Teal’c und General Hammond auch noch je zehn Schläge für deine unhaltbaren Verdächtigungen zu. Macht also vierzig insgesamt.“

Man hörte einige Leute die Luft einziehen, ein vereinzeltes „Oh!“, aber Daniel sagte nur: „Danke, Herr.“

Jack winkte zwei Wachen herbei und Daniel erhob sich und entledigte sich seines Hemdes.

„Stell dich an den Tisch, Hände auf die Platte und ihr“, er gab den Wachen ein Zeichen, „haltet ihn fest!“

Ehe jemand reagieren konnte, hatte Daniel schon die Hose geöffnet und sie auf die Knie sinken lassen. Jack und alle anderen sahen, dass er im Bad keine Unterwäsche angezogen hatte.

Mit leicht gespreizten Beinen stand Daniel vor dem Tisch und stützte sich mit den Händen auf der Tischplatte ab. Er atmete tief und langsam durch und versuchte, all die starrenden Blicke zu ignorieren. Er hörte wie jemand „Sein Rücken!“ flüsterte und Janet erschrocken, „Walter, schau!“ rief. Als sie mit: „Colonel O’Neill…“ anfangen wollte, fiel Walter ihr ins Wort. „Nein, Janet, er hat es verdient.“

„Aber…“

„Nein!“

 

Jack nahm einen Gürtel zur Hand und begann. Die Zuschauer, die einige von Jacks verwöhnten Bettsklaven gewöhnt waren, die meist schon beim ersten Schlag zu wimmern anfingen, beim zweiten um Gnade flehten und sich ab dem dritten versuchten aalgleich herauszuwinden, hörten während der ersten fünf Schläge keinen Ton. Dann stöhnte Daniel leise, rührte sich aber nicht.

Daniel war wieder in seiner eigenen Kopfwelt unterwegs, versuchte sich so weit es ging von den Geschehnissen zu distanzieren. Im Unterbewusstsein zählte er mit und registrierte erleichtert, dass keiner der Anwesenden mit unnötiger Brutalität zuschlug. Irgendwann einmal spürte er, wie warme Flüssigkeit seinen Rücken herunter lief und wusste, dass … wer war noch gleich dran? Richtig, der Colonel, das hieß, dass Mayborne die Haut zum Zerreißen gebracht hatte. Aber niemand der anderen nutzte es aus, fast hatte er eher den Eindruck, als würden sie den blutenden Striemen meiden.

Vielleicht hatte sich das Blatt nach all den Jahren doch noch gewendet? Es widersprach zwar immer noch Daniels Selbstverständnis, dass ein Mensch einen anderen als Besitz haben konnte und ihn für Vergehen körperlich strafen konnte. Aber das Leben und das tragische Scheitern seiner Eltern hatten ihm gezeigt, dass seine Welt noch nicht reif war für tolerantere Vorstellungen. Von daher war er dankbar, dass er wenigstens nicht mehr bei einem sadistischen Herrn in Diensten stand. Von allen schlechten Welten war dies noch eine der besseren.

 

„Vierzig“, verkündete Jack und Daniel entrang sich ein tiefer Seufzer. Auch einige der Anwesenden schienen erleichtert, dass es vorbei war. Daniel richtete sich auf, zog seine Hose hoch und ging neben Jack auf die Knie. „Danke, Herr, dass ihr Milde habt walten lassen.“

„Milde?“, murmelte Janet Fraiser so laut, dass es alle hören konnten.

„Du kannst jetzt in dein Zimmer gehen.“

Daniel erhob sich. Erst jetzt wurde ihm richtig bewusst, dass er im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden hatte, auch wenn sich jetzt alle bemühten, sehr geschäftig zu tun. Da er aber in den Mienen der Anwesenden keine Genugtuung, keinen Geifer, kein sadistisches Vergnügen entdecken konnte, schien sie wohl nur die Neugierde, oder wie in Miss Fraisers Fall, der Wille, ihn irgendwie zu unterstützen, hierher gebracht zu haben. Mit diesem Wissen konnte er leben und er begab sich rasch nach oben.

Zwei Minuten später erschien Janet, säuberte seinen Rücken, verband ihn und verfrachtete ihn trotz seines Protestes wieder einmal ins Bett.

„Und wenn du trotzdem aufstehst, wenn ich die Tür zugemacht habe, wirst du es wirklich bereuen. Dann wird dir das heute Nachtmittag wie ein Kinkerlitzchen vorkommen. Haben wir uns verstanden?“

Sie klang zwar wie ein Drachen, funkelte ihn an wie eine böse Hexe, aber in ihren Augen las er die Sorge um sein Wohlergehen. Seit langem hatte Daniel sich nicht mehr so umsorgt gefühlt.

„Verstanden?“, fragte sie noch einmal drohend nach.

„Ja, Miss Fraiser.“

„Sehr schön, ich lasse dir dann auch gleich etwas von dem Kuchen hochbringen.“ Damit verschwand sie und ließ einen sehr nachdenklichen Daniel zurück. Zuckerbrot und Peitsche.

 

Als Jack zweieinhalb Stunden später ins Zimmer kam, erwachte Daniel aus seinem dösenden Halbschlaf und wollte schlaftrunken sofort aus dem Bett springen.

Aber Jack hielt ihn zurück. „Nein, leg dich wieder hin. Ich ziehe mich heute alleine aus.“

„Aber…“

„Ich kann das, ob du es glaubst, oder nicht“, neckte Jack.

„Ja, aber…“

„Du willst doch keine Widerrede riskieren, oder?“, fuhr Jack etwas schwerere Geschütze auf.

„Nein, Herr.“

„Na, siehst du.“ Mit einem triumphierenden Grinsen verschwand Jack in seinem Schlafzimmer, nur um kurz darauf noch einmal zurück zu kommen. Er trug jetzt seinen Schlafanzug und einen mit Brokat bestickten dunkelroten Morgenmantel, den er sich schnell übergeworfen hatte. Er setzte sich auf die Kante von Daniels Bett und schlug das Oberbett zurück.

Daniel war bis auf den Verband, den Janet ihm gemacht hatte, nackt darunter und sofort ballten sich seine Hände reflektorisch zu Fäusten, er zwang sich aber, ruhig liegen zu bleiben.

„Ich werde jetzt eine kühlende, heilende Salbe in dich einreiben, auf deren Anwendung Janet unmissverständlich bestand“, meinte Jack und kühle Finger berührten Daniels Schulter. „Dreh dich rum.“

Mit einem tiefen Atemholen tat Daniel wie ihm geheißen und während Jack die Creme auf seiner Schulter verteilte, meinte er: „Ihr habt tatsächlich Wort gehalten und Eure Freunde auch. Ich werde morgen wieder arbeiten können.“

„Ich wäre ja auch ganz schön blöd, wenn ich meine einzige Hilfe gegen den alles verschlingenden Papierkram ins Bett verbannen würde“, lachte Jack, um dann ernster zu sagen: „Es wird etliche blaue Flecken und Blutergüsse geben.“ Gedankenverloren wanderten seinen Hände tiefer und er strich über Daniels Pobacken, die deutlich sichtbare, flammendrote Streifen aufwiesen und berührte ganz hauchzart den Flecken über Daniels Hüfte, der sich in Gelb- und Blautönen zu verfärben begann. Selbst wenn er jetzt Sex gewollte hätte, wäre das in Daniels Zustand nicht möglich. Dabei verlockte ihn Daniels Nacktheit und flüsterte ihm zu, er solle sich endlich das nehmen, was ihm zustand.

 

Abrupt stand Jack auf, bedeckte Daniel wieder mit der Bettdecke und meinte kurz angebunden: „Ich habe noch etwas zu erledigen.“

Er war schon halb aus dem Zimmer draußen, als Daniel rief: „Die Handfessel, Herr.“

Jack drehte sich auf der Türschwelle um und erwiderte: „Ich denke, wir können drauf verzichten. Wenn du mich hättest umbringen wollen, hättest du im Laufe des Tages, vor der Bestrafung, genügend Gelegenheit dazu gehabt.“

 

Ohne Daniel Gelegenheit zu einer Antwort zu geben, hatte er die Zimmertür schon hinter sich geschlossen. Jack ging in sein Büro und schickte nach einem Küchenjungen, der ihm schon mehrmals zu verstehen gegeben hatte, dass er gern auch zu Diensten dieser Art bereit sei. Jack ließ ihn zwischen seinen Beinen niederknien und in nur zehn Minuten hatte ihn Jonas mit seinem Mund zum Höhepunkt gebracht.

Jack gab ihm eine Münze, schloss seinen Morgenmantel und blieb noch lange Zeit in der Bibliothek sitzen. Er rückte näher an den Kamin heran und schaute in das Feuer, von dem nur noch die glühenden Scheite übrig waren. Obwohl er sonst gar nicht zu tiefsinnigen Überlegungen neigte, musste er daran denken, dass diese glimmenden Scheite ihn an Daniel erinnerten. Das Feuer war schon fast erloschen, aber wenn man sich Mühe gab, konnte man es wieder zum Leben erwecken. Er hoffte, dass er das bei Daniel erreichen würde.

 

 

 

-------ENDE VON TEIL 1-------

 

 

 

Weiter in Teil 2: Begierden und Vorurteile